Konzeptlos glücklich

Seelengekotze eines Lifeaholics

Scheinheilig

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Es gibt Länder, die sind böse. Da herrscht Konsens am Stammtisch, im Hörsaal oder auch im Starbucks. China zum Beispiel, die sind ganz übel, wie die Menschen hinrichten und die Luft verpesten und sowieso. Auch die USA, da sind wir uns einig, sind gar nicht sauber. Jetzt mit Obama geht es ja, aber wie konnten die damals diesen “W.” nur wählen und wiederwählen? Und die Finanzkrise, und all die Kriege, und das Foltergefängnis. Das geht gaaar nicht. Auch Libyen, der Iran und Deutschland gehören zu unserer Achse des Bösen.

Auf der anderen Seite sind die Länder, die rocken die Welt mit einer weissen Weste. Tibet zum Beispiel. Der Dalai Lama ist ja so weise und gut, und es ist eine Schande, was die Chinesen mit seinem Volk treiben. Das ist es tatsächlich, ohne Frage, aber der Dalai ist das Oberhaupt einer Religion, in der Frauen weniger als gar nichts zu sagen haben und in der ohne Geld bei ihren Funktionären, den Mönchen, gar nichts läuft – nicht einmal die Gebetsfahne eines mausarmen verzweifelten Bauern wird mit ein paar Handbewegungen gesegnet (hab ich aus erster Hand). Jamaika ist auch wunderbar. Da sind alle friedlich und locker und superflauschig drauf. Wenn sie sich nicht gerade zu einem Mob versammeln, um ein paar Schwule durchs Dorf zu hetzen und sie dann zu Tode prügeln. Während sie ach so friedliche Reggae-Musik hören, die genau das fordert. Übrigens, das Lied “No woman no cry” von Bob Marley ist zwar nicht homophob, wird aber oft missverstanden. Angeblich wollte der Gute gar nicht sagen, ohne Frauen gäbe es keine Tränen, sondern “Nein, Frau, weine nicht”. Das kommt halt davon, wenn man die Regeln der Grammatik missachtet. Missverständnisse, nichts als Missverständnisse.

Aber zurück zum Thema: Kanada ist auch so ein grossartiges Land. Wir sehen es ein wenig als das vernünftige, schandfleckfreie USA. Die Kanadier sind naturverbunden, führen keine Kriege, foltern nicht, haben ein faires Gesundheitssystem und verstehen sich untereinander so gut, dass sie ihre Türen gar nie abschliessen müssen, wie man im Film “Bowling for Columbine” sieht. Okay, sie schlachten gerne Robben ab, das ist nicht nett, aber es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel, Kinder ihren Familien zu entreissen und sie zur Adoption freizugeben oder in Internate stecken, vielleicht? Genau das taten die Kanadier bis vor nicht allzu langer Zeit nämlich. Wer hätte ihnen so etwas zugetraut?

Von 1879 bis 1970, also fast hundert Jahre lang nahm die kanadische Regierung (wie die Amis übrigens auch) indianischen Familien ihre Kinder weg, gab sie in andere Familien oder steckte sie in Internate. Das Ziel: “Eine beschleunigte Zivilisation” (man beachte die Ironie). Die Kids durften ihre Familien kaum sehen, ihnen wurden christliche Moralvorstellungen eingehämmert und oft wurden sie misshandelt und sexuell missbraucht. Und das bis vor vierzig Jahren, man stelle sich das mal vor. Mehr zu diesem “kulturellen Völkermord” gibt’s heut Nacht auf Arte:

Freitag, 12.2.10, “Eine von vielen”, 0.30, Arte.

Geschrieben von Jerky

12. Februar 2010 um 14:59

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Einkaufslisten sind der Schlüssel zum Glück

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Ich hatte kürzlich ein gänzlich befriedigendes Shopping-Erlebnis – wie selten das vorkommt. Auf meiner Liste standen fünf Dinge, und alle fand ich, sogar im selben Stadtteil. Ohne dass ich es erwartete, tauchte ein Laden nach dem anderen auf, der aber genau eines meiner Wunschobjekte anbot. Ein wohlig-warmes Glücksgefühl breitete sich in mir aus. Ach, liefe es doch überall im Leben so: 1. Man weiss, was man will und 2. kommt ganz einfach ran. Doch leider tut es das selten, oft hakt es bei den Punkten eins und zwei. Normalerweise weiss ich nicht, was ich will, auch beim Shoppen – und dann wird’s übel. Immer, wenn ich mit Gutscheinen bewaffnet, aber planlos in der Stadt herumirre, werde ich schleunigst von Schweissperlen heimgesucht. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die nicht fürs Spontanshoppen geschaffen ist. Ich sah mich einmal durch einen Gutschein genötigt, einen Kleiderladen zu benutzen, obwohl es mir gar nicht an Textilien fehlte. Gutscheine setzen mich immer unglaublich unter Druck. Am Schluss verliess ich den Shop, meine Begleitung schüttelte nur noch den Kopf, mit einem schwarz-weissen Bruce-Lee-Skateboard-Shirt. Ich habe es bis zum heutigen Tag nie angezogen, nicht einmal als Pijama. Im Zimmer meines Lebens, um an dieser Stelle wieder auf die Meta-Ebene zu klettern, liegen solche untragbaren T-Shirts, wo man hinguckt. Es wird bald mal Zeit, ernsthaft aufzuräumen.

Geschrieben von Jerky

8. Februar 2010 um 23:44

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Hey ho, let’s go!

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Blogs sind sowas von Nullerjahre. Heutzutage hat man besseres zu tun im Netz, als zu schreibseln und Geschreibsel zu lesen. Warum also das hier? Ganz einfach: Ich vermisse das Denken. Wer einen Text verfasst, ist gezwungen, seine Gedanken zu formulieren, ja, er ist in erster Linie gezwungen, sich überhaupt Gedanken zu machen. Während meine letzten Monate zwar zwar schön selig waren, waren sie eben auch ganz schön mindless. Davon habe ich erst mal genug. Es ist doch erstaunlich, mit wie wenig Denkleistung sich so ein Durchschnittstag mit all seinen Routinen und strukturierten Verhaltensmustern hinter sich bringen lässt lässt: Aufstehen, duschen, Bus besteigen, Arbeiten erledigen, essen, defäktieren, mehr arbeiten, Bus besteigen, TV einschalten, TV ausschalten, Bett besteigen. Ad nauseam wiederholen. Null Hirnschmalz benötigt (mit welcher Einheit misst man Hirnschmalzverbrauch?). Ich behaupte sogar, je nach Leben müsste man sein Reflektionsorgan an vielen Tagen nicht einmal hochfahren.  Erscheinen werden hier Buchstaben, Sätze und ein Haufen Punkte, Kommas sowie – insofern angemessen – das eine oder andere Semikolon (ich mag die). Ach ja, irgendwann wird gereist. Mehr soll an dieser Stelle, in Einklang mit dem Titel dieses Projekts, nicht definiert werden. Definitionen sind sowieso überbewertet.

Geschrieben von Jerky

31. Januar 2010 um 15:36

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